Kurzfilm Bloody Hell: Ein sehenswerter Film über die erste Periode

Katharina Hingst hat mir ihrem Kurzfilm „Bloody Hell“ eine Liebeserklärung an die erste Periode geschaffen, eine bunte Traumwelt, die eine junge Frau durch die Turbulenzen der ersten Menstruation und den damit verbundenen emotionalen Höhen und Tiefen begleitet. 

Die erste Periode – ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich damals gefühlt habe. Eine Mischung aus Nervosität und Neugiere. Vor allem war es aber etwas, das ich mehr oder weniger mit mir allein ausgemacht habe. Meine Mutter kaufte mir Binden und erklärte mir, dass das Erwachsenwerden eben nicht leicht sei. Was in meinem Körper vor sich ging, habe ich nicht wirklich verstanden. Ich hatte in der Grundschule keine Sexualkunde (meine Lehrerin wollte „Rücksicht“ auf mich nehmen, weil ich das einzige Mädchen in der Klasse war, und sie mir „Peinlichkeiten“ ersparen wollte. O-Ton), und auf dem Gymnasium eröffnete das Thema dann unter Jugendlichen eher die Möglichkeit, unangebrachte Witze zu machen. PMS-Symptome wie Unterleibkrämpfe und Migräne waren für uns Freundinnen vor allem ein Grund, beim Sportunterricht auf der Bank zu sitzen. Keiner stellte Fragen. Und dann stellten wir eben auch keine. Die erste Periode war etwas, das wir aussaßen, statt uns wirklich mit unseren Körpern auseinanderzusetzen.

Die erste Regelblutung – Kurzfilm Bloody Hell zelebriert das Tabu

Die Regisseurin Katharina Hingst bringt das Thema mit ihrem Kurzfilm „Bloody Hell“ auf den Punkt. Auf einzigartig verträumte und gleichzeitig sehr explizite Art und Weise schafft sie es, den Zeitpunkt der ersten Periode wie eine glitzernde Parallelwelt darzustellen: Die Protagonistin Camille wacht am Morgen ihres 16. Geburtstags auf und bemerkt, dass sich etwas verändert hat. Intuitiv weiß sie, dass ihre erste Periode kurz bevor steht. Doch anstatt zu den bewährten Mitteln zu greifen und dem Unwohlsein Platz zu geben, schafft sie sich ihren ganz eigenen Raum und erwartet das Ereignis selbstbewusst und neugierig. Die Zuschauer*innen bemerken schnell, dass Hingst die Regisseurin Sofia Copolla verehrt – Bloody Hell erinnert in Ästhetik und Dramaturgie an die Filme der US-amerikanischen Filmemacherin und teilt sich mit ihr auch das Thema des weiblichen Erwachsenwerdens, wie im wunderbaren Film „The Virgin’s Suicide“ zu sehen ist.

Bloody Hell – Ein Kurzfilm über die emotionale Achterbahn der ersten Periode

Auch wenn der Shortfilm im blumig-glitzernden Gewand daherkommt, so nimmt er das Thema der ersten Periode und die damit verbundenen emotionalen und körperlichen Symptome ernst und schafft es, das Erleben einer heranwachsenden Frau authentisch darzustellen und die Menstruation gleichzeitig als Geschenk von Mutter Natur zu zelebrieren.

Wir empfehlen den Kurzfilm „Bloody Hell“ und plädieren stark dafür, ihn in die Lehrpläne aller Schulen aufzunehmen

Camille spürt nicht nur intuitiv, dass ihr Körper ihr etwas zu sagen hat – sie beschwört in einer Szene sogar in einer Art Ritual die Natur, fühlt sich zur Spiritualität hingezogen und ist ganz eins mit ihrem Körper. Wir empfehlen den Kurzfilm „Bloody Hell“ und plädieren stark dafür, ihn in die Lehrpläne aller Schulen aufzunehmen. Er ist für alle Menschen sehenswert und macht auch nicht-menstruierenden Menschen deutlich, dass die Periode eine prägende und allgegenwärtige Angelegenheit ist. Etwas, das mit dem weiblichen Körper auf einzigartige Weise verbunden ist, das die weibliche Natur ausmacht und zu uns gehört wie wenig anderes.

Hier könnt Ihr den Film anschauen.

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Autor

Frieda arbeitete für mehr als 10 Jahre als Journalistin. Sie schrieb über Osterrezepte und Stilikonen, über den menschlichen Stoffwechsel und Michelin-besternte Restaurants. Kurzum: Sie schrieb über alles. Bis auf Sex. Und das aus gutem Grund. Lange hielt Frieda sich für durchschnittlich sexuell und überließ das Expert*innenwissen lieber anderen. Bis eine Trennung sie bewog, die Pille nach 14 Jahren abzusetzen. Da war Frieda 28. Und erst zu diesem Zeitpunkt entdeckte sie ihre wunderbare Sexualität neu. Und ihre wahre, echte, hungrige, einzigartige Libido. Seitdem praktiziert sie Sex nicht nur auf eine ganz neue Art und Weise. Sie schreibt und spricht auch darüber. Und war noch nie so erfüllt wie heute!