Warum ich über Polyamorie nachdenke

Der eine Partner, dem man treu ist, “bis dass der Tod euch scheidet”? Das galt lange Zeit – zumindest nach außen hin – als das einzig wahre Beziehungsmodell. Auch unsere Autorin Nadia Bokody war lange Zeit der Meinung, dass Monogamie der Schlüssel zum einzig wahren Liebesglück ist. Warum sie ihre Meinung geändert hat, verrät sie hier.

Wenn Ihr mich vor fünf Jahren gefragt hättet, ob ich Polyamorie in Betracht ziehen würde, wäre die Antwort ein eindeutiges Nein gewesen. In erster Line, weil ich nicht wirklich verstanden habe, was es überhaupt ist. Und zweitens, weil ich zu dem Glauben erzogen worden war, dass es nur ein Beziehungsmodell gibt: die lebenslange Monogamie. Aber als meine Ehe in den frühen dreißiger Jahren zerbrach, war ich gezwungen, all meine Überzeugungen neu zu bewerten, was es wirklich bedeutet, in einer funktionierenden Beziehung zu sein.

Ein neuer Trend?

Während Polyamorie als ich mit Anfang zwanzig heiratete, wohl nur ein Begriff war, der in den dunklen Ecken privater Internetforen mal auftauchte, ist es heute zu einer akzeptierten Lebensweise geworden. Tatsächlich müsst Ihr nur das Wort bei Google eingeben und schon tauchen über 14 Millionen (ja, Millionen!) Ergebnisse auf. Die Erforschung weniger traditioneller Beziehungsmodelle hat ihren Weg in den Zeitgeist gefunden.

Was versteht man eigentlich unter Polyamorie?

Falls Ihr Polyamorie noch nicht kennen solltet, hier noch einmal eine kurze Definition. Im Wesentlichen ist es die Praxis, mehrere sexuelle Beziehungen auf einmal zu haben und zwar mit voller Zustimmung aller Beteiligten. Um es verständlicher zu definieren, könnte man es auch als „Nicht-Monogamie in gegenseitigem Einvernehmen” beschreiben.

Ich bin jetzt seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen, und während wir derzeit ziemlich glücklich monogam sind, haben wir offen über die Perspektive von Polyamorie in unserer Zukunft gesprochen. Wir sind offen für die Tatsache, dass sich unsere Bedürfnisse in weiteren drei Jahren verändert haben könnten. Insbesondere sexuell.
Polyamorie: Öfter mal was Neues.

Es kreiert zudem eine unvorhersehbare Lebensweise und bricht die Monotonie auf, die so oft mit einer langfristigen Monogamie einhergeht.

Der Hauptvorteil von Polyamorie für Paare ist es, etwas Neues in ihr Sexualleben einzubringen. Wenn Du in einer langfristigen Beziehung bist, verblasst das nun einmal irgendwann. Im Gegenzug kann regelmäßiger, spontaner und erfüllter Sex zu einem immer schwierigeren Unterfangen werden.

Ironischerweise ist einer der Vorteile vieler polyamorer Paare die Tatsache, dass Sex mit anderen Menschen sie sexuell begehrenswerter für den eigenen Partner macht. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sie wieder die Gefühle von Aufregung und Abenteuer spüren, die sie in den ersten Tagen ihrer Beziehung erlebt haben. Es kreiert zudem eine unvorhersehbare Lebensweise und bricht die Monotonie auf, die so oft mit einer langfristigen Monogamie einhergeht.

Sag niemals nie…

Also, auch wenn ich im Moment nicht polyamourös bin, würde ich nicht sagen, dass ich es niemals sein werde. Es ist definitiv auf meinem Radar. Durch das Scheitern meiner Ehe habe ich gelernt, dass es kein perfektes Beziehungsmodell gibt. Was am ehesten erfolgreich ist, ist, dass Du das tust, was sich für Dich richtig anfühlt. Und das wird sich für die meisten Menschen im Laufe der Zeit immer mal wieder ändern…

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Autor

Nadia Bokody ist eine sex-positive Journalistin aus Australien. Ihre persönliche Mission: Frauen in ihrer Sexualität und in Beziehungen zu empowern. Nadia ist Kolumnistin für HuffPost, Mamamia, The Sun, The Washington Post und viele weitere Publikationen. Zudem betreibt sie einen eigenen sex-ed YouTube Kanal mit über 110.000 Abonnent*innen. Wenn Gigi nicht gerade über Sex oder Toys spricht oder schreibt, betreibt sie die globale Frauen Website SHESAID.com.