O.school: Ein Interview mit Gründerin Andrea Barrica

o.school

Es ist eine kleine Revolution: Die O.school. Die Online Plattform dient dem Erlernen von sexuellem Genuss und dem Erkunden des eigenen Körpers, unterstützt durch Live-Streaming und Chat. O*Diaries hat mit Mitgründerin und CEO Andrea Barrica über die Idee gesprochen und warum wir die O.school so dringend brauchen.

Andrea, Du hast die O.school gegründet – erzähl uns mehr darüber.

O.school ist eine online Ressource für alles was Sex und Sexualität anbelangt – wie ein unvoreingenommener Freund, den man alles fragen kann, was einem an Sex oder Dating interessiert. Zusammen mit meinem Team, baue ich das Unternehmen seit ungefähr 1,5 Jahren auf.

Wann hattest Du die Idee für O.school? Was hat Dich bewegt?

Ich habe die O.school gebaut um meine eigene Entdeckungsreise fortzusetzen, um meine Beziehung zu Sex und meiner persönlichen Identität zu heilen. Ich bin in einer strengen, katholischen Familie aufgewachsen, bei der jedes sexuelle Verlangen, geschweige denn Sex, vor der Ehe eine Sünde war. Als ich in jungen Jahren dann aufs College kam und mir klar wurde, dass andere junge Leute so viel mehr wussten als ich, hab ich mich unvorbereitet und betrogen gefühlt. Als ich dann realisiert habe, dass ich homosexuell bin, war die Herausforderung mit meinem Hintergrund in Einklang zu kommen umso größer.

Ich hatte das Glück, dass ich Unterstützung von Therapeuten, Workshops und persönlichen Gemeinschaften bekommen habe. Mir wurde aber auch klar, dass nicht jeder so viel Glück hat an einem Ort oder in einem Kontext zu leben, in welchem diese Art von Unterstützung verfügbar ist. Deswegen hab ich es mir zur Aufgabe gemacht einen sicheren, einladenden online ‘Raum’ für Sex zu schaffen, den jeder verdient hat, aber nicht jeder so im normalen Leben bekommt.

Was genau bedeutet denn “Genusserziehung ”?

Genusserziehung ist, wenn man über „Sexualerziehung“, wie wir sie normalerweise kennen hinaus geht. Es geht nicht nur darum, über Anatomie, Krankheit und Verhütung zu sprechen – was alles sehr wichtig ist, sondern auch darüber, wie Leute herausfinden können, was ihnen gefällt.

Dieses Erforschen von Vergnügen für den Einzelnen ist eine Reise welche Neugier, Aufgeschlossenheit, Empathie und noch viel anderes erfordert. Die Suche nach Genuss bedeutet, dass man mehr mit seinem authentischen Selbst verbunden wird und lernt seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar zu kommunizieren.

Für wen ist die O.school?

O.school ist für alle! Wir bemühen uns, es zu einem inklusiven Platz für Menschen aller Identitäten zu machen, egal welches Geschlecht, Religion, frühere Erfahrungen, Sexualität oder kulturellen Hintergrund man hat. Wir arbeiten auch schwer daran, für alle zugänglich zu sein, die neu im „Sex-positiven“ Bereich sind, aber gleichzeitig auch bereit sind Neues zu lernen, um ein gesünderes und glücklicheres Sexualleben zu haben.

Warum sollten wir offener über unsere Sexualität sprechen?

Einfach gesagt: Offen und ehrlich mit sich selbst und mit anderen zu sein, hilft mehr von dem zu bekommen was einem tatsächlich auch gefällt. Wenn man mit seinem Partner über seine Bedürfnisse und Wünsche spricht, hat man einfach ein erfülltes Sexualleben. Und Partner oder kein Partner – mich in meiner eigenen Haut wohl zu fühlen, gerade wenn es um die sexuelle Identität geht, hat mein Leben in so vielen anderen Bereichen bereichert. Als ich herausfand was meine persönlichen Herausforderungen mit Sex und Sexualität waren, hatte ich plötzlich mehr Inspiration, mehr Energie und mehr Leichtigkeit, insbesondere in meiner Karriere.

Du hast das Hashtag #empathywarrior kreiert: Wofür steht es?

Empathiekrieger zu sein bedeutet, dass ich Empathie als strategische Supermacht benutze. Empathie ist ein ganz wertvolles Instrument, dasGs mir hilft meine Beziehungen zu vertiefen, neue Verbindungen zu knüpfen, meine Kunden zu verstehen und mein Geschäft auszubauen. Ich habe den Begriff „Empathiekrieger“ übernommen, weil manchmal „emotionale“ Qualitäten in unserer Gesellschaft und vor allem in der Unternehmenskultur ignoriert oder unterbewertet werden – aber Empathie ist genau das, was mich erfolgreich gemacht hat.

Was machst du neben der O.school?

Wenn ich nicht gerade mit der Arbeit beschäftigt bin (was oft der Fall ist), reise ich gerne. Ich mag Kriminaldokumentationen und grüne Smoothies.

Was sind Deiner Meinung nach die Herausforderungen für Geschäftsfrauen in unserer Welt?

Frauen werden für dieselben Verhaltensweisen unterschiedlich beurteilt.

Was rätst Du anderen Frauen in der Wirtschaft?

Verbessert eure Widerstandsfähigkeit und Intuition. Am besten durch Kreativität und Sexualität – die beiden sind für mich eng miteinander verbunden.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich würde gern jahrzehntelang einflussreiche Unternehmen aufbauen und schließlich selbst zum Angel-Investor werden. Ich träume ich davon, irgendwann mit meiner Familie ein Wellness-Retreat zu betreiben.

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Autor

Frieda arbeitete für mehr als 10 Jahre als Journalistin. Sie schrieb über Osterrezepte und Stilikonen, über den menschlichen Stoffwechsel und Michelin-besternte Restaurants. Kurzum: Sie schrieb über alles. Bis auf Sex. Und das aus gutem Grund. Lange hielt Frieda sich für durchschnittlich sexuell und überließ das Expert*innenwissen lieber anderen. Bis eine Trennung sie bewog, die Pille nach 14 Jahren abzusetzen. Da war Frieda 28. Und erst zu diesem Zeitpunkt entdeckte sie ihre wunderbare Sexualität neu. Und ihre wahre, echte, hungrige, einzigartige Libido. Seitdem praktiziert sie Sex nicht nur auf eine ganz neue Art und Weise. Sie schreibt und spricht auch darüber. Und war noch nie so erfüllt wie heute!