Body Positivity: Die vielleicht wichtigste Bewegung unserer Gesellschaft

Wer legt eigentlich fest, was wirklich schön ist? Klar, glaubt man dem allgemeinen Konsens, dann bedeutet z.B. bei Frauen Schönheit eine schlanke, durchtrainierte Figur, makellose Haut und möglichst volle Lippen. Eine gesunde Gegenbewegung zu den falschen Schönheitsidealen unserer Gesellschaft ist Body Positivity. Wir geben einen Überblick, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Was ist Body Positivity eigentlich?

Wer bereits seit einer Weile aufmerksam Werbekampagnen oder Modestrecken in Magazinen verfolgt, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich da etwas getan hat. Wo lange Zeit nur perfekte Models in Size Zero und mit einer scheinbar porenfreien Haut abgebildet waren, tummeln sich heute vermehrt ganz, ja, ganz normale Menschen. Frauen, die auch mal Kleidergröße 42 haben. Menschen mit unperfekten Zähnen. Männer mit nicht ganz so reiner Haut.

Die Message: Wir stehen nicht nur zu unseren vermeintlichen Makeln, wir lieben uns sogar dafür. Sogar für die Werbebranche und die digitalen Medien scheint klar zu sein, dass es nicht mehr angesagt ist, uns ständig Menschen als Idealbild zu verkaufen, die einfach fernab von der Realität sind. Und das ist gut so. Einfach ein bisschen mehr Adele als Alessandra Ambrosio …

Eine Gegenbewegung zum allgemeinen Optimierungswahn

Nehmen wir folgendes Beispiel: Ein Topmodel hat kürzlich ein Baby bekommen und was sehen wir wenige Wochen danach in den sozialen Medien? Eine schlanke, durchtrainierte Frau ohne Augenringe, dafür mit einer Extraportion Glow. Welche Mutter, die kürzlich ein Baby bekommen hat, möchte das schon als Idealbild vor die Nase gesetzt bekommen? Eben. Und deshalb tauchen in letzter Zeit auf Instagram & Co. ehrliche und vor allem unbearbeitete Fotos von frischgebackenen Müttern auf, die so aussehen, wie die meisten frischgebackenen Mütter nun mal aussehen. Vielleicht nicht mit Kleidergröße 36. Dafür mit ganz viel echtem Ich. Cellulite, Dehnungsstreifen, Kaiserschnittnarben? Aber klar! Die gehören zu unserem wunderbaren Körper und haben es somit verdient, geliebt – oder zumindest akzeptiert zu werden.

Das Gegenteil davon? Bodyshaming!

Der klare Gegenpart zur Body Positivity ist Bodyshaming. Über das Aussehen anderer abfällig zu reden, oder Menschen nach ihrer Konfektionsgröße zu beurteilen, ist leider eine unschöne Erscheinung in unserer heutigen Gesellschaft. Und zwar eine, die sowohl Frauen als auch Männer treffen kann. Umso wichtiger ist es, sich klarzumachen, dass wir die Vielseitigkeit und die Unterschiedlichkeit feiern und lernen sollten, uns selbst zu lieben. Eine bessere Antwort auf Bodyshaming als aufrichtige Selbstliebe gibt es nämlich nicht. Und das sorgt nicht nur für ein besseres Körperbild, sondern stärkt auch unser Selbstbewusstsein.

Ein möglicher Kritikpunkt an Body Positivity

Natürlich ist an der Body Positivity Bewegung nichts auszusetzen, es ist ein ganz wichtiges Umdenken, das durch sie stattfindet. Viele Menschen fangen dadurch an, sich selbst mit liebevolleren zu betrachten und sagen dem ungesunden Optimierungswahn endlich „Goodbye“. Mittlerweile werde aber auch kritische Stimmen laut, die Body Positivity vorwerfen, dass dabei immer noch das Aussehen im Vordergrund steht. Auch wenn man lernt, sich trotz vermeintlicher Makel schön zu finden, hat die Schönheit – wie immer sie auch definiert wird – eine hohe Priorität. Daher sprechen sich einige nun eher für die Body Neutrality aus. Dabei geht es darum, seinen Fokus auf völlig weg von der Optik auf innere Werte zu legen und zu sagen: Ich hasse meine Cellulite nicht, ich liebe sie nicht, sie ist mir völlig egal.

Das ist natürlich ein guter Ansatz, allerdings leben wir nun mal in einer sehr visuellen Welt und da ist es doch besser, sich selbst ein gesundes Bild von Schönheit zu machen als immer noch veralteten Idealen nachzujagen. Insofern tut Body Positivity eine ganze Menge für uns.

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Autor

Vor einigen Jahren zog Julia nach Berlin. Nicht der Liebe wegen. Aber um sich tagtäglich mit der Liebe zu beschäftigen. Sie leitete sieben Jahre das Erotik-Ressort bei BILD.de und weil das noch nicht genug an Liebe, Lust und Leidenschaft war, schrieb sie 2016 ein Buch über das Online-Dating. Heute hat sie dem Online-Dating zwar abgeschworen, schreibt aber für O*Diaries weiterhin über die schönste Nebensache der Welt. Zum Ausgleich beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit mit unromantischen Dingen wie Bergsteigen, Lesen und dem Ghostwriting für verschiedene Buchprojekte.